"Karl Unterkircher"

verunglückte am 13.07.2008 auf dem Nanga Parbat ( Pakistan ) durch den Absturz in eine Gletscherspalte !

Seine beiden Bergkameraden "Walter Nones" und "Simon Kehrer" konnten ihm trotz mehreren Versuchen nicht mehr helfen

und "mußten" Ihren Weg ohne Ihn weiter gehen....

er war

Extrembergsteiger, Bergführer, aktives Mitglied der Bergrettungsgruppe Gröden ( Catores )

 und Präsident des "Alut Alpin Dolomites", sowie Ehemann und Vater von 3 lieben Kindern.

 

Basislager, 13.07.2008
 

Es ist der 13. Juli, ich liege in meinem Zelt und versuche ein Buch zu lesen. Aber ich kann mich nicht konzentrieren denn wie besessen haftet der Gedanke an diese Wand, diese Rakhiot Wand. Diese verwunschene zerklüftete Eiswand mit den vielen Gletscherspalten. Sie liegt genau in der Mitte und hindert unseren Aufstieg.

Als wir vor einem Monat am Basislager ankamen hat mir die Rakhiot Wand Furcht eingeflößt. Auf den Fotos hingegen, möchte man meinen, dass sie aus der Märchenwelt stammt.

Von „Fairy Meadows“ aus gesehen, ragt sie in voller Majestät für 3 Km gegen den Himmel zu. Mindestens 9 Km Steilwand trennen den Gipfel des Ganalo Peak im Westen mit dem Rakhiot Gipfel im Osten.

  

Angst und Kopfzerbrechen bereiten mir aber die Eisklumpen, die sich ständig von der zerklüfteten Eiswand lösen. Sicher verursacht diese Wand schon seit Jahrzehnten Angst und Zittern im ganzen Tal und fordert die Einheimischen zu Respekt und Heiligkeit auf. Diese trotzige Teufelswand lies mich schon am ersten Tag unserer Ankunft nicht in Ruhe, sie macht mich unschlüssig und skeptisch.
Es ist wahrhaftig eine gefährliche Mission!
Wahrscheinlich werden wir die Wand überfallen wie die Frontkämpfer im ersten Weltkrieg. Aber statt mit Waffen, sind wir mit Pickel und Steigeisen ausgerüstet. Wir müssen mit großer Vorsicht vorgehen und die weniger gefährliche Linie verfolgen; jene die wir übrigens bereits zuhause studiert und bestimmt haben. Schon seit einer Woche beobachten wir täglich jede Veränderung. Sie scheint uns den Weg zum mittleren Pfeiler verweigern zu wollen. Wie wir den Aufstieg wohl in Angriff nehmen werden, bleibt wohl ein Rätsel. Sie könnte uns auch zur Umkehr zwingen. Seit unserer Rückkehr vom Chongra Gipfel sind wir wieder zu Kräften gekommen, die Angriffslust wächst. Optimismus und Zuversicht stimmen uns positiv. Vor vier Tagen haben wir einen Teil unserer Ausrüstung auf die Gletschermoräne unterhalb des Berges gebracht. Es sind immerhin 500 m Höhenunterschied bis dorthin und wir wollen für den 1. Tag unsere Energiereserven sparen. Trotz der eindeutigen Gefahren sind auch Walter und Simon motiviert und überzeugt den Berg zu bezwingen. In meinem Verantwortungsbewusstsein empfinde ich so etwas wie Furcht, ich denke oft an zu Hause, an meine Lieben. Das Beste um sicher zu gehen und Unvorhergesehenes zu verhindern, wäre natürlich vom diesem Projekt auszusteigen. Einige Tage vor der Abreise zu dieser Expedition bin ich beim Verlassen eines Kaffees über eine Blumenvase gestolpert. Sie lag auf dem Bordstein einer niedrigen Mauer und diente als Abtrennung zur Hauptstrasse. Ich hatte nur die Sandalen an und kippte vornüber. Mein Knie schlug hart auf das Asphalt und bereitete mir höllische Schmerzen. Ich stand wieder auf und begann etwas humpelnd weiterzugehen. Ich spürte, dass das Knie noch heil war. Ein Wagen hätte mich in diesem Moment leicht überfahren können. Der Barist, ein guter Freund von mir, kam schnell auf mich zu und fragte nach meinem Befinden. Ich war außer Atem, ich konnte nicht mehr sprechen. Wahrscheinlich hat er sich gedacht: „er will 8000er besteigen und kann nicht mal auf 1500 m stehen“ Aber das Schicksal hat es so gewollt, dass ich nicht überfahren wurde und deswegen stehe ich jetzt unterhalb dieser riesigen Rakhiot Wand.
Bis jetzt ist alles planmäßig verlaufen und wir werden uns deshalb auch nicht zurückziehen. Morgen früh werden wir aufbrechen, zuerst die Moräne hochsteigend. Der Rucksack wird etwas schwer sein, zudem müssen wir unsere Skier tragen. Dann werden wir warten bis es Dunkel wird, tagsüber ist es zu heiß. Wenn es nicht bewölkt ist, dürfte uns der Mond etwas helfen. Die mittlere, zerklüftete Eiswand muss dann „brav“ sein für 8 bis 10 Stunden, wir werden doch nicht zuviel verlangen? Über eine Schneerippe werden wir dann zum Felsen kommen. Dieser dürfte keine Probleme bereiten. Wenn wir dann am Dienstag über „unsere“ mittlere Eiswand stehen, haben wir es geschafft. Dann sind wir dran. Dann müssen wir die Wand mit Ausdauer und Geschicklichkeit hochklettern. Und wenn wir die Hochebene erreicht haben, dann zielen wir dem Gipfel zu. Wir haben Essvorräte und Gas zum Schneeschmelzen für mindestens 5 Tage….hoffentlich reicht das aus. Die Abfahrt mit den Skiern ist auf der Hermann Buhl Route vom Jahre 1953 geplant. Unser Begleitoffizier schlägt uns vor über die „normale“ Diamir Wand abzufahren. „Wer weiß“ habe ich ihm geantwortet, „alles hängt von vielen Faktoren ab“. Inshallah!! (wie Gott will).

Herzliche Grüße von Karl Unterkircher, Walter Nones und Simon Kehrer

   Kurzbericht, Foto und Video´s sind aus seiner Homepage: http://www.karlunterkircher.com
   

 Video´s zu seiner letzten "Expedition am Nanga Parbat" Juni - Juli ´2008:

 

 


 

 


 

 

 


 

  

 


 

 


 

 

 


 

  Gedenkvideo´s an "Karl Unterkircher"

 





 

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